CRISAM® FV – Vorgehensmodell
Die Darstellung zeigt das Vorgehensmodell, entsprechend dem der Risikomanagement-Prozess im Unternehmen implementiert wird. Das Modell gliedert sich in sieben aufeinanderfolgende Schritte, die den Implementierungs- und den zyklischen Verbesserungsprozess beschreiben.
Schritt 1: Modellbildung
Schritt 2: Risikoidentifikation
Schritt 3: Simulation
Schritt 4: Ergebnisanalyse
Schritt 5-7: Maßnahmenverwaltung
a. Maßnahmenplanung
b. Maßnahmensimulation
c. Maßnahmenverfolgung
Zwei Rückkoppelungen beschreiben den Decision Engineering- bzw. Risikomanagement Prozess. Damit wird sichergestellt, dass beide ineinandergreifende Aufgaben auch in der erforderlichen Qualität durchgeführt werden.
Schritt 1: Modellbildung
Im ersten Schritt des Vorgehensmodells werden die Strukturen des Modells (Strukturanalyse), die Berechnungsregeln im Baum sowie die geplanten Werte im Finanzmodell hierarchisch (Knotenanalyse) und in der projektspezifischen Zeitachse aufgebaut.
Jeder Fragestellung liegt ein entsprechendes Rechenmodell zugrunde. Sei es der erwartete Gewinn oder Verlust am Ende des Jahres, der erforderliche Liquiditätsbedarf oder das erwartete Ergebnis aus der Umsetzung eines Projektes. Mit diesem Rechenmodell bildet der Risiko-Manager oder Controller im ersten Schritt des CRISAM® FV Vorgehensmodells die Fragestellung des Vorstands oder Geschäftsführers ab. Sehr wahrscheinlich liefert eine einzige Betrachtung der Problemstellung keine ausreichende Entscheidungsgrundlage. Dazu sind weitere Sichten in Form mehrerer Modelle abzubilden. Beispielsweise ist ein strategisch wichtiges Projekt vor einer GO-Entscheidung aus der Ergebnis- und der Liquiditätsperspektive, sowie in Bezug auf die Rentabilität über mehrere Jahre zu betrachten.
In CRISAM® FV wird im ersten Schritt das entsprechende Finanzmodell implementiert, das der jeweiligen Fragestellung entspricht. Sind zur Beantwortung mehrere unterschiedliche Modelle erforderlich, so werden diese parallel implementiert. Jedem Modell liegen die identifizierten und für alle Fragestellungen in gleicher Form gültigen Risikoobjekte als Blätter des Baumes zu Grunde. Mit diesem Set an Fragestellungen wird im Sinne des Decision Engineerings eine Entscheidung aufbereitet. Stehen der Entscheidung mehrere Alternativen zur Verfügung, so ist jede Alternative mit einem Set an Fragestellungen aufzubereiten und miteinander zu vergleichen.
Schritt 2: Risikoidentifikation
Risiken werden im Schritt 2 durch den Risk Owner erfasst, den Planwerten zugeordnet und mit Werten versehen. Jedes Risiko kann wiederum in seiner Zeitachse spezifiziert und dem spezifischen Risikoprofil (statistische Verteilungen) zugeordnet werden.
Die Beschreibung eines Risikoobjektes in einer statistischen Verteilung ist nicht immer einfach. Dennoch ist es erforderlich, eine plausible Bandbreite anzugeben, zumindest die Schätzung der Bandbreite als Prämisse dem Modell zugrunde zu legen. So kann beispielsweise eine Frage nach dem Jahresergebnis vor Steuern unter einer Prämisse, dass der Rohölpreis je Barrel im Best Case bei $30, im Worst Case bei $150 und erwartet bei $50 liegt, beantwortet werden. Best-, Worst und Most Likely Cases können dabei mit einer Dreiecksverteilung verbunden werden.
CRISAM® FV liefert für die Formulierung der statistischen Verteilung aller Risikoobjekte eine effiziente Unterstützung. Risikoobjekte, die in CRISAM® RV in Form einer Rating-Kennzahl beschrieben wurden, werden automatisiert in eine Verlustverteilung überführt. Objekte, deren Verhalten mit einem konstanten Wert beschrieben wird, können als Konstante übernommen werden. Risikoobjekte, deren Eigenschaften durch eine Expertenschätzung festgelegt werden müssen, können durch Best-, Worst- und Most Likely-Cases fixiert werden. Die zugrunde zu legende Verteilung kann aus einem Set an plausiblen Verteilungsfunktionen ausgewählt werden.
Sind exakte Verteilungsformen bekannt oder historische Daten verfügbar, können diese in CRISAM® FV direkt als „Blattrisiken“ übernommen bzw. importiert werden.
Schritt 3: Simulation
Die integrierte Monte Carlo Simulation rechnet in der spezifizierten Anzahl Realsituationen im Schritt 3 durch. Bei der Durchführung der Monte Carlo Simulation werden potentielle Ergebniswerte aufgrund der Volatilität der an den Blättern des Finanzmodells aufgelisteten Risikoobjekte berechnet. In dieser Simulation werden tausende, mehr oder weniger wahrscheinliche, jedoch mögliche Realsituationen in kürzester Zeit durchgespielt. Daraus ergeben sich jene Ergebniswerte als sehr wahrscheinlich, die in der Simulation aller Risikoobjekte am häufigsten erreicht wurden. Werte, die nicht als Ergebnis, nie oder nur sehr selten erreicht wurden, sind auch in der Realität als sehr unwahrscheinlich zu betrachten.
Neben der beschränkten Perspektive einer Simulation in einem Zeitintervall, liefert CRISAM® FV auch Aussagen über die Veränderung der Ergebniswerte über eine Zeitachse hinweg. CRISAM® FV simuliert mehrere, bis zu 20 Zeitintervalle und stellt deren Ergebnisse einer umfangreichen Auswertung zur Verfügung. Mit der Simulation können sowohl für die Zukunft Prognosen erstellt, als auch die implementierten Modelle aufgrund der Vergangenheit auf Zuverlässigkeit getestet werden.
Schritt 4: Ergebnisanalyse
Entsprechend den Berechnungsregeln werden Risiken im Baum aggregiert und an der Wurzel bzw. an den festgelegten Ergebnisknoten der Ergebnisanalyse in Schritt 4 zur Verfügung gestellt. Verschiedenste Analyse- und Darstellungsmethoden stellen Ergebnisse in Form von Histogrammen, Verteilungsfunktionen, Box-Plots oder mehrjährigen Ergebnissen mit Trendlinien und Trendkanälen dar.
CRISAM® FV stellt ein leistungsfähiges Tool-Set für die Auswertung der Simulationsergebnisse zur Verfügung. Die Simulation einzelner Risikoobjekte ist für die Beantwortung kritischer Fragestellungen in sehr vielen Fällen nicht ausreichend. Dennoch werden damit die wichtigen Rohdaten und Zwischenergebnisse ermittelt, die im Rahmen der Ergebnisanalyse mit Kennzahlen verknüpft werden müssen. Unter Rohdaten werden in CRISAM® FV Ergebniswerte einer Simulation in einem Zeitintervall, Zwischenwerte im Simulationsmodell oder auch vorverdichtete Werte und einzelne Risikoobjekte verstanden. Allesamt sind Variablen mit einer Volatilität, einer statistischen Bandbreite von monetären Werten. Damit diese ohne Verlust an Aussagekraft in weitere Kennzahlen verknüpft werden können, bildet CRISAM® FV bei der Ermittlung der Kennzahl diese Variablen mit deren statistischer Verteilung ab.Das Ergebnis dieser Berechnung stellt CRISAM® FV in unterschiedlichen grafischen Darstellungen, Histogrammen, Funktionsgraphen, Boxplotts, Trends und Weiterem dar. Zusätzlich steht die Kennzahl wiederum als Zwischenwert für eine weitere Auswertung zur Verfügung.
Die Betrachtung möglicher Chancen und Risiken erfolgt in CRISAM® FV auf einer individuell und projektspezifisch festlegbaren Zeitachse. Darauf können sowohl Zeitpunkte in die Zukunft, als auch in die Vergangenheit festgelegt werden. In die Vergangenheit festgelegte Zeitpunkte dienen einerseits der Dokumentation vorangegangener Jahre. Andererseits kann an den, in der Vergangenheit simulierten Ergebnissen, die Prognose in die Zukunft evaluiert werden.
Schritt 5-7: Maßnahmenplanung
Die für Risikomanager wesentliche Maßnahmenverwaltung wird in den Schritten 5 bis 7 abgebildet. Maßnahmen sind vom Risk Owner in Abstimmung mit dem Risikomanager zu planen sowie deren Kosten und Nutzen abzuschätzen. Beides, Kosten und Nutzen können sowohl Fixwerte, als auch Werte mit Volatilität darstellen und müssen gesamthaft im betrachteten Modell auf ihren gesamthaften Nutzwert verifiziert werden. Diese Bewertung erfolgt durch eine Gesamtbetrachtung vor bzw. nach einer Maßnahmenumsetzung. Erst effiziente Maßnahmen werden in die Realität umgesetzt und in der Umsetzung verfolgt.
Im CRISAM® Modellbaum werden Maßnahmen direkt an die zu adjustierenden Risiken mit deren Nutzen und Kosten gebunden. Kosten und Nutzen sind ähnlich den Risikoobjekten selbst mit gewissen Unsicherheiten in der Wirkung zu betrachten. So kann beispielsweise das Rohstoffrisiko durch Nachverhandlung und Preisbindungsvereinbarungen in der Volatilität eingeschränkt werden. Das Verhandlungsergebnis der geplanten Maßnahme „Nachverhandlung und Preisbindung“ ist vorab kaum zu bestimmen und kann somit unterschiedlich wirksam ausgehen. Die Preisbindung selbst, sowie die Verhandlungen bedeuten einen Aufwand, der die Kosten der Maßnahme darstellt.
Nachdem Maßnahmen bestmöglich definiert und fixiert sind, folgt die Umsetzung. Dazu sind Implementierungsschritte, Verantwortungen, Meilensteine und Zwischenergebnisse festzulegen und in der Umsetzung zu verfolgen.








