Die Geschichte des Risikomanagements
Irgendwann im 12. Jahrhundert ersannen italienische Fischer ein neues Wort. Sie benutzten es, um eine Situation zu benennen, der sie tagtäglich auf ihren Ausfahrten begegneten. Erblickten die Seeleute vor sich nahe der Küste einen Felsen im Meer, so mussten sie eine Entscheidung treffen. Sie konnten zwischen Land und Fels hindurchsegeln und damit Zeit gewinnen. Oder aber sie konnten den Felsbrocken, dessen Ausläufer unterhalb der Wasserlinie nur zu erahnen war, großräumig umschiffen. Sie nannten diese Situation risicare, das Umsteuern der Klippe. Dies ist der Ursprung des Wortes „Risiko“, wie wir es heute benutzen.
Generationen nach den italienischen Seeleuten übernahmen es die Kaufleute in Venedig, die großen und ersten Fernhändler Genuas, die ihre Schiffe auf lange, ungewisse Expeditionen schickten. Es war ein gehöriges Wagnis, dem man sich stellte: Das gesamte Vermögen oft mehrerer Familien wurde eingesetzt, um Gewürze, Kräuter, Gold, Seide aus Asien herbeizuschaffen. Man teilte das Wagnis auf. Man riskierte. Doch stets blieb, wie immer, die Angelegenheit vage. Alles sehnte sich nach mehr Sicherheit, immer.
Hoffnung ist keine Strategie
Bewusstes Ignorieren von Risiken kostete am 14. April 1912 beim Untergang der Titanic 1.500 Menschen ihr Leben. Unternehmerische Tätigkeit ist immer mit Unsicherheiten verbunden. In der komplexen Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts
geraten immer mehr Unternehmen in akute Seenot. Einige bekannte Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind:
› Sumimoto 2,6 Mrd. US$
› Barings 1,3 Mrd. US$
› Deutsche Morgan Grenfell 750 Mio. US$
› Philipp Holzmann 6 Mrd. EUR
› Bayer: Lipobay Skandal (ca. 8 Mrd. EUR)
› Enron, Worldcom, Berliner Bank…
Konsequenzen daraus:
Gesetzgeber und internationale Kapitalmärkte verlangen mehr Transparenz über die Wert- und Risikotreiber von Unternehmen, sowie neue Spielregeln für Manager und ihre Kontrolleure. Diesbezügliche Ergänzungen und Änderungen finden wir im Aktiengesetz, GmbHG, IRÄG1997, sowie in den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung, Datenverarbeitung und Datenspeicherung. Die gesamten Bemühungen und Maßnahmen zur Wiedererlangung des Vertrauens in die Wirtschaft waren vorerst auf börsenotierte Unternehmen ausgerichtet. Mittlerweile gehört es zum guten Ton eines Unternehmens, sich an den Corporate Governance Kodex, der in Österreich noch auf freiwilliger Basis beruht, zu orientieren. Mit Basel II, Solvency II (Versicherungswesen), dem KonTra–Gesetz zur Kontrolle und Transparenz in Deutschland und dem Sarbanes Oxley Act (US) werden eindeutige Signale seitens der Behörden gesetzt, die eine Verstärkung dieses Trends aufzeigen.



